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Ein ganz besonderer Tag
Heute ist ein ganz besonderer Tag.
Ich will mich erst einmal vorstellen. Mein Name ist .... hmmm ich bin
mir nicht ganz sicher, ob ich so etwas überhaupt habe. Na gut, dann eben
erst mal "Hund", genau genommen "Hundemädchen".
Ich bin ca. sooo... groß und - nicht sehr schwer – ich bin riesig
hungrig. Apropos Hunger, jetzt suche ich schon so lange in diesem
Weinfeld nach irgendetwas Verspeisbaren, aber ob du es glaubst oder
nicht – nicht die kleinste Kleinigkeit für meinen knurrenden Magen zu
finden. Lustlos kaue ich an einer alten, vergammelten Speckschwarte,
aber so richtig satt macht das nicht.
Mal sehen, wenn ich mich vorsichtig in die Nähe der Strasse schleiche,
vielleicht gibt es da etwas zu futtern. Meine Angst ist zwar mindestens
so groß wie ich selbst, aber dort bei einem der großen Häuser steht ein
Mann, der für meine Begriffe ziemlich freundlich aussieht. Fast habe ich
den netten Kerl erreicht, der da in zwei verschiedenen Autos herumkramt
(braucht ein einzelner Mensch denn so viele Transportmittel??, die haben
doch auch zwei Beine !?), doch dann verlässt mich mein Heldenmut und ich
drehe mich wieder um und laufe davon. Ganze drei Meter von diesem großen
Menschen entfernt und trotzdem keine Möglichkeit ihn anzubetteln. Er ist
so in seine Tätigkeit vertieft, dass er den kleinen, struppigen,
schwarzweißen Wuschel hinter sich gar nicht wahrnimmt.
Also trotte ich traurig und hungrig ans andere Ende meines Weinfeldes
und untersuche auf meinem erhöhten Liegeplatz die derzeit ziemlich
aussichtslose Lage.
Ich fühle mich doch so einsam und hungrig und überhaupt bin ich sehr,
sehr unglücklich! Was bleibt mir anderes übrig, als mir einen halbwegs
sicheren Unterschlupf zu suchen, der mich wenigstens vor den anderen
Hunden schützt. Ich kuschle mich ins Frühlingsgras und träume von einem
Leben in dem ich jemanden zum Liebhaben und Knuddeln habe.
Immer wieder geht mein trauriger Blick in Richtung der menschlichen
Behausungen. Ob es da wohl warm ist und ob die wohl freundlich sind?
Es ist nun schon Mittag und noch immer liege ich auf meinem Plätzchen in
der Sonne.
Da kommt doch tatsächlich jemand in mein neues Revier. Ziemlich langsam
und vorsichtig schleicht sich jemand in meine Nähe. Was soll ich wohl
machen, weglaufen oder abwarten was diese, nicht ganz so große Jemand
tun wird?
Jetzt wird es Zeit eine Entscheidung zu treffen, schon ist sie fast ganz
in meiner Nähe. Sicherheitshalber stehe ich erst einmal auf und schaue
vorsichtig ob sie noch näher auf mich zugeht.
Die Frau scheint Hunde zu mögen. Mit sanfter, leiser Stimme spricht sie
mich an und lockt mich mit freundlichen Worten. Leider kann ich mich
nicht überwinden ihr zu glauben. Zu oft hat man mich in meinem kurzen
Leben schon enttäuscht und gequält.
Da stehe ich nun, mein schwarzes Schwänzchen ängstlich zwischen meinen
Hinterbeinen versteckt, den Rücken gekrümmt und die furchtsamen Augen
weit aufgerissen.
Wenn mich doch nur der Hunger nicht so quälen würde! In sicherer
Entfernung rolle ich mich wieder vorsichtig zusammen und kaue an meiner
Speckschwarte – nicht ohne den Menschen aus den Augen zu lassen.
Sie hat sich nun ca. zwei Meter von meinem Platz entfernt auf den Boden
gesetzt und spricht weiter freundlich mit mir – wie gerne würde ich ihr
vertrauen und probieren ob sie mich wohl streicheln würde.
Durch eine sonderbare Melodie werde ich aufgeschreckt. Sie nimmt ein
kleines Kästchen aus der Tasche und spricht dort hinein. Erst viel
später werde ich dann wissen, wenn dieses Kästchen läutet, dann kommt
mein heißgeliebtes Herrli bald nach Hause. Aber davon habe ich zu diesem
Zeitpunkt natürlich noch gar keine Ahnung.
Plötzlich steht sie auf und geht davon. Ob sie so wie sie mir gesagt hat
mit etwas Futter wiederkommen wird? Endlos lange liege ich wieder vor
dieser windschiefen Bretterbude und warte (obwohl ich keine Ahnung habe
worauf!?).
Wenigstens die langen, noch vom Winter dürren Grashalme schützen meinen
mageren Körper ein wenig. Der Bretterverschlag hält den kalten
Frühlingswind ein bisschen von mir ab und ich blinzle in die wärmende
Nachmittagssonne.
Nach einiger Zeit kommt sie zurück. Ich kann es kaum glauben, sie kommt
wahrhaftig und wirklich wieder zu mir zurück und in einer Hand hält sie
tatsächlich ein Schälchen.
Hunger und Neugier werden riesig groß und trotz aller Vorsicht wage ich
mich ein Stückchen näher.
Sie öffnet dieses Schälchen und geht ein wenig weiter weg, anscheinend
versteht sie die Angst die mich so sehr quält.
Mutig traue ich mich aus meinem Versteck, wo doch das Futter so herrlich
duftet und sich mein knurrender Magen wieder meldet.
Gierig verschlinge ich das ganze Schälchen und lecke mir glücklich bis
über die Nase. Das war ja sooo gut. Vielleicht sollte ich doch Vertrauen
fassen – aber wer weiß – am Ende werde ich dann doch wieder im Stich
gelassen?
Ich rolle mich resignierend wieder auf meinem Plätzchen zusammen und
beobachte meine neue Freundin mit meinen großen, braunen Kulleraugen.
Sie spricht so sanft und lieb mit mir und jetzt setzt sie sich auch noch
mit dem Rücken zu mir neben mein Grasbüschel. Wenn sie versuchen würde,
mich anzugreifen müsste ich sicherlich vor Angst ganz schnell
davonlaufen – aber sie scheint meine Angst zu verstehen und spricht nur
weiter mit mir und ist einfach da.
Einige Stunden vergehen und sie wird nicht müde, mir von ihrem Leben mit
einem lieben Menschen in einer warmen kuscheligen Wohnung zu erzählen.
Oh wie gerne möchte ich so eine Familie haben!
Sie meint, ihr Mann und sie hätten gerne einen Hund (zwar einen etwas
größeren), aber sie würden natürlich auch einen kleinen Findelhund lieb
haben.
Endlich fasse ich meinen ganzen Mut zusammen und rücke mit klopfendem
Herzen ein Stückchen näher. Meine Nase berührt ganz leicht ihren Arm.
Hmmmm, wie angenehm so ein freundlicher Mensch duftet. Ich habe doch so
viel Sehnsucht nach ein wenig Zärtlichkeit!
Ach was soll’s! Ich krieche ganz zu ihr hin und lehne meinen kleinen
Körper mit einem ganz tiefen Seufzer an sie. Trotz Angst und Misstrauen
fühlt sie sich gut an, warm und kuschelig.
Ich glaube, ich habe auf ihrer Wange eine Träne entdeckt. Ob sie sich
freut?
Vorsichtig beginnt sie meinen Hals und meinen Kopf zu kraulen. Ist das
schön, ich bin glücklich!
Nach langem Kuscheln und Kraulen und ganz viel Mut und Überwindung
meinerseits sagt sie mir, dass ich Wasser trinken müsste um nicht krank
zu werden.
Etwas ratlos geht sie wieder zurück in ihr Haus. Ich spüre, dass sie
sich Sorgen macht, ich könnte bei ihrer Rückkehr verschwunden sein.
Ich laufe nun vor meiner Bretterbude unruhig auf und ab. Sie ist weg! Ob
sie wohl wirklich wiederkommt? Was soll ich tun? Nachlaufen oder hier
bleiben?
Ich sehe nicht, dass sie mich vom Fenster beobachtet und sich beeilt,
mit einem hübschen, blauen Napf mit frischem Wasser wiederzukommen.
Außerdem hat sie mir noch eine Decke und ein herrlich nach ihr duftendes
Kleidungsstück mitgebracht. Sie legt die Dinge in meine Hütte und sagt
mir, das sei, damit ich in der Nacht nicht so frieren müsste.
Ich schlabbere mein Wasser und schaue sie erwartungsvoll an.
Vorsichtig versucht sie wieder, mich von meinem Plätzchen wegzulocken.
Zaghaft folge ich ihr ein paar Schritte.
Ach was soll’s, schlimmer als alles was ich bisher erlebt habe kann es
nicht mehr werden. Ich laufe schon mal in die Richtung aus der meine
neue Freundin gekommen ist. Das Gartentor macht mir zwar Angst, aber
nach kurzem Zögern ist auch diese Gefahr überwunden. Sie schaut mich
ungläubig an, als ich durch das weit geöffnete Haustor laufe und die
Stiegen ganz nach oben. Freudig öffnet sie mir die Wohnungstür und ich
schleiche vorsichtig hinein und finde auch gleich einen weichen Platz am
Teppich, wo ich meinen kleinen Körper ausstrecken und schon ein wenig
entspannter schlafen kann.
Ich träume glücklich von einer vielleicht sehr schönen und angenehmen
Zukunft mit meiner Familie und sie sitzt in ihrem Sessel und beobachtet
mich mit einem lieben Lächeln. Ich glaube sie liebt Hunde und heute ist
für mich ein ganz besonderer Tag!!
So kam also ein Hund in unseren Designer-Haushalt. Mein Lebensgefährte
gab ihr den Namen „Cindy“. Und damit unsere Cindy nicht so alleine ist,
wurde als Spielgefährtin auch gleich noch die kleine Chira (ein fast
verhungerter Müllplatzhund aus Rumänien) dazu genommen.
Seitdem hat unser Ahorn-Parkettboden „Charakter“, die Couch ist nun
nicht länger unser „Revier“ sondern der bevorzugte Ruheplatz von Cindy
und Chira, unsere Reisen richten sich nach dem Vorhandensein
hundefreundlichen Hotels und die Ladekante unserer Autos muss auf jeden
Fall der Sprunghöhe der Wauzls entsprechen.
Aber ein Leben ohne die beiden Rowdies wäre für uns einfach undenkbar.
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Cindy
selbstsicher und
gar nicht mehr scheu |
Chira |
Cindy
in ihrem Weinfeld |
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